Mittwoch, 31. Oktober 2012

Der Jiggamag

Der Jiggamag

In den Tiefen der Wäldern streift er entlang. Sein Körper gleicht einen Mantel aus schwarzen Nebel, klobig und dennoch nicht zu fassen.
Am Tage ist er fast unsichtbar, ist das Rauschen im Winde der verwinkelten Baumkronen, ist das knirschen der Tannennadeln in der Ferne, ist das unmerkliche Schnauben des Waldes, flüchtet vor dem Licht in die Gefilde der dunklen Baumreihen.
Doch wenn die Dämmerung das Ende des Tages ankündigt, wenn die Schatten der Wälder weit und unförmig werden, dann zeigt der Jiggamag sein weißes Gesicht, einer Maske gleichend, seine feuerroten Lippen um sein weites Maul und seine messerscharfen Zähne, die in der Dunkelheit bedrohlich glänzen.
Seine Augen sind das ferne Leuchten in der angehenden Dunkelheit und Nacht, zwei türkisblaue Strudel, dessen Licht meilenweit zu erblicken ist.
Verlieren sich deine Augen in diese mysteriösen Lichter, so ziehen sie dich magisch an! Von der Neugier getrieben schreitest du so auf ihn zu, vergisst mehr und mehr die Wirklichkeit und ehe du dich versiehst erkennst du im Halbdunklen der Nacht sein weißes, immer grinsendes Gesicht. Und ist es einmal so weit, ist der Jiggamag nun einmal so nah, dann ist es zu spät. Dann gehörst du zu den verschwundenen im Wald, dann gehörst du zu den verschollenen in der Dunkelheit, denn er wird dich verschlingen, wie so manchen Wanderer vor dir, und alles was von dir bleibt ist ein Teil des Schattens, aus dem er besteht.
Dann hat er dich.

von Daniel Trabitzsch

Dienstag, 4. September 2012

Bella Ciela

Weit in den Lüften schwebest du
Deine Flügel aus Stahl
streifen sanft die weißen Wolken
im weiten Meer des Himmels

Still ist es dort,
still und kalt
und im tiefen Nebel zwischen all dem Blau
ziehst du einsam deine Bahnen

Doch schließlich steigst du auf,
durchbrichst die schwere Decke und ziehst auf ins ewige Blau,
leuchtest auf im Antlitz des Sonnes Schein
Und endlich fühlst du´s auch,

frei zu sein

Von Daniel Trabitzsch

Dienstag, 29. Mai 2012

Verloren...

Tag 12. Vergebens suche ich immernoch nach meiner Phantasie. Letzte Nacht hab ich sie wieder gehört, wie sie in den Wäldern meiner Gedanken traurig schrie. Doch als die Sonne wieder aufging suchte ich vergebens nach jeglicher Spur.
Meine Vorräte nehmen deutlich ab, das Klima wird von Tag zu Tag härter und kälter. Die letzten Tage habe ich meinen Kompass verloren, durch Glück jedoch eine andere Orientierung entdeckt. Das Gepäck erscheint immer schwerer, doch am meisten Sorgen machen mir die dunklen Geister, die hier und dort durch die Gegend ziehen. Ich meide jeden Kontakt mit ihnen, denn sie nehmen einen jede Orientierung und lassen einen versinken in diesen abgestumpften, eintönigen Tälern.


von Daniel Trabitzsch

Montag, 28. Mai 2012

Die Reise zu den Sommerhügeln

Das Rauschen des Rechners erfüllt die Luft. Nur spärlich dringt die tosende Musik gegen dieses Geräusch vor. Gelangweilt sitze ich hier, unschlüssig, was mich mehr stört, schaue mir unnötige Dinge an und vergesse mich und die Zeit dabei.
Entnervt mache ich alles aus, den Computer, den Strom, schließlich auch das Licht. Momente sitze ich im Dunkeln, höre irgendwo auf den Straßen zwei Katzen kämpfen.  Schließlich reibe ich mein Gesicht.
Wie viel Zeit will ich noch hier vergeuden, denke ich mir. Mein Blick wandert aus dem Fenster. Nass und kalt glänzen die Dächer der umliegenden Häuser. Ich fühl mich schwach, ich fühl mich nicht mehr. Mir fehlt etwas. In leeren Gedanken blicke ich über den unordentlichen Schreibtisch, spiele mit einen Würfel im Dunkeln, rühre mit einen Pinsel ein Glas voll Wasser um, in denen sich die Farbe bereits am Grund abgesetzt hatte. 
Die Zeit scheint verschollen, so wenig brauche ich sie noch zu beachten. Frust steckt in mir. Der Frust, ziellos zu sein. und so lebe ich in den Tag, ohne eine Aufgabe, ohne einen Willen, in der Hoffnung, den Tag bald bloß überstanden zu haben. Meistens hänge ich hier, langweile mich, fühle mich krank, doch so lebe ich.

Ich blicke in den Himmel, richte mich auf. Beobachte die Getreidepflanzen, die im Sonnenuntergang Wellen im Wind schlagen, wie sie dunkelbraun sich erstrecken.  Ich werde angesprochen von zwei anderen Personen, vertrauten Personen. Wir besprechen alles, machen uns bereit und steigen in das Flugzeug. Der Flug geht los, bald schon lassen wir alles hinter uns, die Felder, den Flugplatz und schließlich fliegen wir durch die Abendsonne über das Land.
Die Luft ist angenehm warm, der Sommer liegt über den Hügeln. Und während ich durch den Himmel schwimme, erkenne ich: Es liegt an mir.



Ich erwache langsam aus meinen Traum, zurück in meinen Zimmer. Ihn immernoch nachklingend schaue ich auf das Wasser.
Die Farbe hatte sich gelöst, nun war es grün. Grün wie die Hoffnung.
Und nun packe ich meine Jacke, öffne die Türe und gehe hinfort. 


Hinfort zu den Sommerhügeln.


von Daniel Trabitzsch


Montag, 14. Mai 2012

Wenn ein Traum wahr wird...

Wenn ein Traum wahr wird...
Wie oft habe ich bereits von diesen Moment geträumt?
Wie wir uns sahen, uns begegneten, uns das erste Mal in die Arme schließten. Wie sich die Wärme des Anderen auf Einen übertrug und Einen liebevoll wärmte.
Wie unsere Blicke sich trafen, wie in uns das Feuer heller funkelte, bis es sich kaum zu bändigen wusste, wie unsere Herzen wild schlagend das andere Herz ersehnten.
Doch schließlich wachte ich jedes Mal auf. Und während ich langsam die Umgebung wahrnahm so wurde mir mehr und mehr bewusst, dass all die Schönheit des Traumes doch nur ein zarter Schatten war, und war er auch noch so echt gewesen, war die Welt des Traumes noch so real, in dieser Welt ist sie es nicht.
Ich hielt an ihm fest, wie an einem dünnen Faden, der sich mit dem ewigen Schmerzes des Vermissens in die Hand meines Bewusstseins schnitt. Doch ich lies nie los, kostete es mir doch so viel Kraft.
Und eines Tages war es so weit.
Unsere Blicke trafen sich, du hattest mich gesehen und ich dich, als hätte uns etwas hingewiesen, als wäre es schon immer so geplant. Du öffnetest mir die Türen. Zu deinem Haus, zu deiner Welt, zu deinem Herzen.
In deinen Augen spiegelte sich dein Glück, und freudig blickte ich tiefer in die türkisblauen Augen, die sich so nach mir sehnten, wie ich mich nach ihnen. Wir kannten den Preis dieser Begenung, doch er war uns egal, genauso wie die Welt um uns herum. Und während ich jeden Moment genoss, während ich mehr und mehr die Außenwelt vergas, da wusste ich, es war all das wert.

Wenn ein Traum wahr wird, dann verschwinden die feinen Umrisse zwischen Traum und Wirklichkeit, dann macht Alles eine Wende.  Die Grenzen verschwinden, die Wirklichkeit scheint nicht mehr wahr zu sein. Der Traum breitet sich aus, er wuchert wie eine Pflanze über die ganze Welt.
Und während ich mich bald im Walde wiederfand, so war ich auch froh darüber.
Auch wenn die Wirklichkeit nun wie ein Traum war, so träumte ich sie gerne.
Denn du warst Teil von ihr. Danke

von Daniel Trabitzsch

Samstag, 31. März 2012

Der nächste Morgen

Gleißendes Licht. Müde öffne ich die Augen, die letzten Bilder meines Traumes klingen nach wie schwingende Glocken, mit jeden Klang werden sie leiser. Noch einen Moment bleibe ich reglos liegen, atme die kühle Luft der vergangenen Nacht, die immernoch in meinen Zimmer verweilt, beobachte die Vorhänge im einsamen Wehen des Windes, durch denen vorbei das Licht sich drückt.
Ich erinnere mich an die letzte Nacht, an die vom Nieselregen glänzenden Straßen. Wie wir uns trafen, etwas kühles trinkend, wie wir zusammen lachten, wie wir zusammen feierten, uns unterhielten, und wie dabei immer unsere Augen sagten: Es war eine tolle Zeit mit dir.
Wir zogen weiter, überquerten die Schwelle der spiegelnden Türen.
Rauchige Luft, buntes Licht das über den Boden zog, laute Musik, die den Raum erfüllte.
Hinaus aus der Kälte, hinein in die Wärme. Wie ein Windstoß zog uns die gute Stimmung in den Saal, und zwischen Flaschen und guten Freunden feierten wir, tanzten im Rausche der Musik, ließen uns umwickeln im Dampf der guten Laune. So lange, bis auch das letzte Licht wieder erlosch und wir unseres Weges weiter gingen.
Ich erinnere mich, wie wir alle beisammen waren, wie wir aßen und wie wir ein letztes Mal de vertrauten Gänge betraten.
Und schließlich erinnere ich mich an die Verabschiedung. Wie man sich ein letztes Mal so sah, wie man sich ein letztes Mal in diesen Zusammenhang begegnete. Wie das drückende Gefühl, das Jeden von Uns die letzten Tage begleitet hatte in uns aufloderte, wie wir alle in Erinnerungen, mit einen mulmigen Gefühl in die Zukunft starrte und wusste, es wird nie wieder so sein. Ich erinnere mich, wie diese Traurigkeit alle umgab, manchen von uns zu fesseln drohte. Ich blicke zurück auf eine wunderbare Zeit, die nie wieder kommen wird, und die doch niemals erloschen sein wird.
Ich blicke zurück, spüre das Gefühl, das ich dort spürte, spüre noch einmal wie alles endet, wie ich an etwas festhalten will, dass nicht zu verhindern geht. Und so versinke ich langsam in meinen Erinnerungen...


Doch schließlich stehe ich auf. Auf mich, nein auf uns, wartet ein neuer Tag.

von Daniel Trabitzsch

Dienstag, 28. Februar 2012

Sanfte Woge, warme Luft.

Sanfte Woge, warme Luft.
Wie zwei Federn gleiten sie durch die Luft,
schwerelos, ohne Last.
Weit ist ihre Sicht, und so schweben sie hinfort, über die Hügel ihrer Träume.
Zeitlos, ohne Druck.
Ihnen gehört die Welt, denn Freiheit trägt sie weit über das Land.
Sorglos, ohne Angst.
Denn dort wo sie sind, da sind nur die Beiden, und so gleiten sie, den Horizont entgegen, langsam in die Nacht.
von Daniel Trabitzsch