Knirschend ertönten seine Schritte auf dem Schnee. Jeder Schritt war mühsam, doch unter all der Angst war er taub geworden gegenüber jeglicher Anstrengung. Hinter einen großen Baum am Rande des Feldes ersuchte er Deckung.
Auf dem Boden hockend versuchte er etwas im halbdunklen wahrzunehmen, doch nichts drang durch das Hämmern seines Herzens und den rasenden Atem.
Er blickte auf seine Hände, an denen immernoch das rot glänzende Blut seiner Freundin klebte.
Irgendwo hinter ihm knackte ein Ast im Unterholz.
Ohne Zeit zu vergeuden sprang Marek auf, jagte in das fast schwarze Gehölz des Waldes, riss seine Haut an den peitschenden Ästen auf, stolperte den Hang hinunter und fiel schließlich auf einen Waldweg.
Nasser Schlamm knallte in sein Gesicht, eisige Kälte durchzog seinen Körper, seine Knie schmerzten bitterlich. Doch er durfte nicht stehen bleiben!
So drückte er sich auf und stampfte so schnell er konnte weiter. Er durfte nicht stehen bleiben... er durfte einfach nicht stehen bleiben!
Warmes Blut lief an seiner Wade hinunter, doch das war nun nichtig, während er orientierungslos tiefer in den Wald humpelte.
Die eisige Luft drückte schmerzhaft in den Lungen, der Schnee schien tiefer und tiefer zu werden, als geräte er in eine Falle. Marek blickte nicht nach hinten, er wusste, sein Vorsprung war verschwindend gering. Er musste von diesem Grundstück herunter!
Da, endlich, tauchte der alte Metallzaun vor ihm auf. Er hatte es geschafft! Hoffnung stieg in ihm auf. Mit letzter Kraft zog Marek sich hinauf und ließ sich auf der anderen Seite in die nun dünne Schneedecke fallen.
Ein Schmerzensschrei entwich seinen Lippen. Stöhnend zog er sich auf seine gebrochenen Knie, spürte das feine zerbersten der Gelenke. Schwer atmend blickte er zurück in den völlig dunklen Wald, doch dort war nichts als der aufgewühlte Schnee seiner Schritte, keine Bewegung, kein Geräusch, keine anderen Spuren.
Zitternd wand er sich um und erschrak.
Gegenüber der Lichtung, gehüllt in der Dunkelheit der Nacht, blickten zwei Augen auf ihn, starrten direkt in seine Seele.
von Daniel Trabitzsch