Mittwoch, 31. Oktober 2012

Der Jiggamag

Der Jiggamag

In den Tiefen der Wäldern streift er entlang. Sein Körper gleicht einen Mantel aus schwarzen Nebel, klobig und dennoch nicht zu fassen.
Am Tage ist er fast unsichtbar, ist das Rauschen im Winde der verwinkelten Baumkronen, ist das knirschen der Tannennadeln in der Ferne, ist das unmerkliche Schnauben des Waldes, flüchtet vor dem Licht in die Gefilde der dunklen Baumreihen.
Doch wenn die Dämmerung das Ende des Tages ankündigt, wenn die Schatten der Wälder weit und unförmig werden, dann zeigt der Jiggamag sein weißes Gesicht, einer Maske gleichend, seine feuerroten Lippen um sein weites Maul und seine messerscharfen Zähne, die in der Dunkelheit bedrohlich glänzen.
Seine Augen sind das ferne Leuchten in der angehenden Dunkelheit und Nacht, zwei türkisblaue Strudel, dessen Licht meilenweit zu erblicken ist.
Verlieren sich deine Augen in diese mysteriösen Lichter, so ziehen sie dich magisch an! Von der Neugier getrieben schreitest du so auf ihn zu, vergisst mehr und mehr die Wirklichkeit und ehe du dich versiehst erkennst du im Halbdunklen der Nacht sein weißes, immer grinsendes Gesicht. Und ist es einmal so weit, ist der Jiggamag nun einmal so nah, dann ist es zu spät. Dann gehörst du zu den verschwundenen im Wald, dann gehörst du zu den verschollenen in der Dunkelheit, denn er wird dich verschlingen, wie so manchen Wanderer vor dir, und alles was von dir bleibt ist ein Teil des Schattens, aus dem er besteht.
Dann hat er dich.

von Daniel Trabitzsch

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