Dienstag, 10. September 2013

MÅNGAIA

MÅNGAIA

Leise rauscht das Wasser unter uns vorbei, der Bug schneidet sich durch die Nacht.
Noch treiben wir vor uns her, noch verhängen Wolken uns die Wacht.
Dunkel ist es, alleine, fern.

Ziellosigkeit wird zum Fluch, die Zeit reißt langsam ab.
Und Träume, Hoffnungen selbst die Angst,
wird nichts, wird schwach, stirbt ab.

Ist da draußen denn nichts, nichts das uns befreit?
Weder Himmel, noch Hölle, nur Ewigkeit?
Doch es bleibt still, ruhig, kalt.

Lange schon sind wir fort, zu weit sind wir gegangen.
Rückkehr gibt es nicht, hinter uns sind nur die Schatten.
Und sie verblassen, verschollen, fallen.

Was haben wir gekämpft, was haben wir riskiert?
Gejagt haben wir den Traum, unser Dasein kritisiert.
Vergossen Schweiß, Blut, und unsere Kraft.

Und schließlich ist es da, das lang ersehnte Zeichen.
Der Horizont lichtet sich, zeigt den Pfad der Alten.
Und auf der Straße des Mondes Schein
Segeln wir gegen die Gezeiten.

Der Wind erhebt sich, wir werden Schneller,
die Reise, lang ersehnt, die Minen werden heller.
Voll Hoffnung, Freude, Emotion.

Erst jetzt beginnt die Reise, zum lang ersehnten Ziel.
Für Freiheit, Glanz und Friede.

Auf MÅNGAIA, dem letzten Weg des Mondes Schein.

von Daniel Trabitzsch

Mittwoch, 22. Mai 2013

Großvaters Haus - Menschen sind wie Uhren

Großvaters Haus

Menschen sind wie Uhren

Das Klingen der Schulglocke hallte durch das Viertel, Kinderrufe wurden laut. Sarah schritt aus der Schule, gemeinsam mit ihren Freundinnen. Es war ein angenehmer Tag, die Sonne schien warm und kühle Winde wehten sanft durch die Luft.
Sarah liebte das Sommerwetter. Gerade verließ sie das Schulgelände als ein Ruf von hinten drang.
„Sarah, nun warte doch mal“.
Sie wand sich um und sah Paul auf sich zulaufen. Er blieb vor ihr stehen und blickte sie freundlich an: „Sag mal hast du Lust dich mit mir zu verabreden? Wir könnten ja schwimmen gehen, oder du kommst mich besuchen oder ich dich“.
Sarah schüttelte nur schnell mit den Kopf: „Ich hab heute keine Zeit“, dann wand sie sich um, lies Paul am Tor zurück und ging auf ihren Großvater zu, der bereits auf sie wartete.
„Na kleine Prinzessin, einen schönen Tag gehabt?“, fragte Großvater und nahm ihr den Ranzen ab.
„Ja, wir haben heute keine Hausaufgaben auf bekommen“, antwortete Sarah.
„Das ist ja schön! Komm, gehen wir“.
Großvater nahm sie an die Hand, dann gingen sie los.

Wenig später saßen sie beim Essen, es gab Spagetti mit Tomatensoße. Wie immer saute sich Sarah dabei im ganzen Gesicht ein. Großvater lächelte dann immer. Nicht umsonst gab er ihr immer ein Tuch beim essen.
Bei solch guten Wetter saßen sie immer auf der Veranda, im Halbschatten der großen Buchen, die verteilt im Garten standen. Mira, Großvaters Hund, lag dabei immer unter dem Tisch, wenn er nicht gerade auf der großen Wiese im großen Garten herumtollte.
„Du Sarah, wer war eigentlich dieser scharmante Junge?“, fragte sie Großvater. Dabei blieben Sarah fast ein paar Nudeln im Halse stecken.
Sie trank schnell einen Schluck: „Das war Paul, der ist in meiner Klasse“.
„So so,“ antwortete ihr Großvater: „Und was wollte er von dir?“
„Nichts“.
„Nichts?“.
„Na er hat mich gefragt ob ich Lust hätte mich mit ihm zu treffen.“
Großvater lächelte, seine kleine Prinzessin durch die Brillengläser beobachtend.
„Und, wann trefft ihr euch?“
„Gar nicht.“
„Na so was, warum bitte nicht? Er sieht doch ganz nett aus.“
„Weil ich ihn nicht mag“.
Da stutzte Großvater: „Und warum nicht? Ist er nicht nett zu dir?“
„Doch schon“, drückte sich Sarah, dann platzte es aus ihr heraus: „Ich mag ihn halt nicht. Er ist pummelig und sein lachen klingt so komisch. Sandra mag ihn auch nicht deswegen.“
Da schüttelte Großvater nur den Kopf. „Komm mit Prinzessin, ich werde dir was zeigen“.
Großvater nahm Sarah an die Hand und ging mit ihr in einen Raum des Hauses. Sarah kannte den Raum zu gut, sie nannte ihn immer das tickende Zimmer.
Schon bevor man die Türe erreichte hörte man das laute Ticken. Denn in diesem Zimmer bewahrte ihr Großvater all seine Uhren auf, die er sein ganzes Leben hat gesammelt.
Große Pendeluhren, Wanduhren in jeglicher Form und Größe, Taschenuhren, Armbanduhren. Schon seit sie denken kann war Sarah davon fasziniert. Als sie noch viel kleiner gewesen war, hatte sie hier immer ihr Mittagsschläfchen gehalten. Die Uhren hatten sie schon immer zum einschlafen gebracht.
„Was willst du mir denn zeigen, Opa?“, fragte Sarah neugierig.
Ihr Großvater kramte in einer Schublade, dann holte er eine alte Taschenuhr hervor. Das sie alt war, war nicht zu übersehen. Das Ziffernblatt hatte hier und da Kratzer. Der dunkle Lack, der einst die Hülle überdeckte, platzte an vielen Stellen ab.
Dann holte er noch eine zweite hervor, es war eine digitale Uhr, die silbrig glänzte.
Großvater zeigte ihr die Uhren: „Was glaubst du, welche von ihnen ist wertvoller?“
Die Frage war zu leicht, dachte Sarah und zeigte auf die alte Taschenuhr: „Die da nicht. Die ist doch Schrott, das sieht man doch!“
Großvater lächelte: „Von Außen mag sie nicht mehr wie neu zu sein, da gebe ich dir Recht. Sie hat in der Tat schon bessere Tage erlebt. Aber was würdest du denken, wenn ich dir sagen würde, dass sie dennoch unglaublich wertvoll ist“.
Sarah schüttelte mit den Kopf: „Du sollst nicht lügen, Opa!“
Großvater drehte die Uhr um, nahm ein Messer und hebelte vorsichtig die Rückseite der Hülle auf. Silbernes Metall lag darunter. Wieder zeigte er sie seiner Prinzessin.
„Na okay, vielleicht ist sie von Innen nicht kaputt, aber schön ist sie dennoch nicht.“, bemerkte Sarah.
Da nahm ihr Großvater noch einmal das Messer und hebelte auch die Rückseite der Uhr auf. Er zeigte sie erneut und Sarah staunte auf.
Im Inneren der Uhr, da blitzte jedes Zahnrad in goldenen, funkelnden Farben. Selbst in den kleinsten Teilen waren Ahornblätter und zweige geschnitzt worden und überall fand man geschnörkelte Teile wieder.
„Und sie funktioniert noch wie am ersten Tag“, sagte ihr Großvater, dann ging er in die Knie, um auf Sarahs Größe zu kommen.
„Schau mal, auch wenn die Uhr von Außen kaputt erscheint, so kommt es nur darauf an, was in ihr steckt.“
Nun nahm er die digitale Uhr hervor: „Hier drinnen ist nichts als Kunststoff und Kleber. Sie ist schon vor langer Zeit stehen geblieben. Diese hier jedoch..“, er zeigte auf die ältere Taschenuhr: „Schlägt unermüdlich weiter, Tag für Tag, Stunde für Stunde, Minute für Minute. Verstehst du, was ich dir sagen möchte?“
Sarah überlegte: „Aber mit der alten Uhr lachen mich doch alle aus.“
„Mag sein, aber dafür bist du mit ihr immer zufrieden und pünktlich. Die Uhr bleibt dir Treu. Was ist dir wichtiger, dass die anderen Kinder deine Uhr bestaunen, oder dass sie funktioniert?“
„Na das sie funktioniert!“.
Sarah betrachtete die Uhr noch einmal: „Eigentlich ist sie sogar voll schön“.
Großvater lächelte: „Na siehst du mal! Und weißt du, genauso ist es mit Menschen“.
Sarah lachte: „Menschen zeigen mir doch nicht die Uhrzeit!“
„Mag sein, aber auch bei ihnen kommt es nicht darauf an, wie sie aussehen. Für sein Aussehen kann niemand was. Es ist viel wichtiger, wie man von Innen ist“. Dabei zwinkerte Großvater ihr zu und Sarah lachte.
„Danke Opa“, sagte sie nur und ging.
„Na wohin willst du denn?“, fragte Großvater.
Ich rufe Paul an, ob er heute Zeit hat“.
Großvater lächelte:
„Wasch erstmal dein Gesicht".

Hab Dank für die Uhr!
Von Daniel Trabitzsch

Freitag, 21. Dezember 2012

Hetze

Marek lief.
Knirschend ertönten seine Schritte auf dem Schnee. Jeder Schritt war mühsam, doch unter all der Angst war er taub geworden gegenüber jeglicher Anstrengung. Hinter einen großen Baum am Rande des Feldes ersuchte er Deckung.
Auf dem Boden hockend versuchte er etwas im halbdunklen wahrzunehmen, doch nichts drang durch das Hämmern seines Herzens und den rasenden Atem.
Er blickte auf seine Hände, an denen immernoch das rot glänzende Blut seiner Freundin klebte.
Irgendwo hinter ihm knackte ein Ast im Unterholz.
Ohne Zeit zu vergeuden sprang Marek auf, jagte in das fast schwarze Gehölz des Waldes, riss seine Haut an den peitschenden Ästen auf, stolperte den Hang hinunter und fiel schließlich auf einen Waldweg.
Nasser Schlamm knallte in sein Gesicht, eisige Kälte durchzog seinen Körper, seine Knie schmerzten bitterlich. Doch er durfte nicht stehen bleiben!
So drückte er sich auf und stampfte so schnell er konnte weiter. Er durfte nicht stehen bleiben... er durfte einfach nicht stehen bleiben!
Warmes Blut lief an seiner Wade hinunter, doch das war nun nichtig, während er orientierungslos tiefer in den Wald humpelte.
Die eisige Luft drückte schmerzhaft in den Lungen, der Schnee schien tiefer und tiefer zu werden, als geräte  er in eine Falle. Marek blickte nicht nach hinten, er wusste, sein Vorsprung war verschwindend gering. Er musste von diesem Grundstück herunter!


Da, endlich, tauchte der alte Metallzaun vor ihm auf. Er hatte es geschafft! Hoffnung stieg in ihm auf. Mit letzter Kraft zog Marek sich hinauf und ließ sich auf der anderen Seite in die nun dünne Schneedecke fallen.
Ein Schmerzensschrei entwich seinen Lippen. Stöhnend zog er sich auf seine gebrochenen Knie, spürte das feine zerbersten der Gelenke. Schwer atmend blickte er zurück in den völlig dunklen Wald, doch dort war nichts als der aufgewühlte Schnee seiner Schritte, keine Bewegung, kein Geräusch, keine anderen Spuren.
Zitternd wand er sich um und erschrak.
Gegenüber der Lichtung, gehüllt in der Dunkelheit der Nacht, blickten zwei Augen auf ihn, starrten direkt in seine Seele.


von Daniel Trabitzsch

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Der Jiggamag

Der Jiggamag

In den Tiefen der Wäldern streift er entlang. Sein Körper gleicht einen Mantel aus schwarzen Nebel, klobig und dennoch nicht zu fassen.
Am Tage ist er fast unsichtbar, ist das Rauschen im Winde der verwinkelten Baumkronen, ist das knirschen der Tannennadeln in der Ferne, ist das unmerkliche Schnauben des Waldes, flüchtet vor dem Licht in die Gefilde der dunklen Baumreihen.
Doch wenn die Dämmerung das Ende des Tages ankündigt, wenn die Schatten der Wälder weit und unförmig werden, dann zeigt der Jiggamag sein weißes Gesicht, einer Maske gleichend, seine feuerroten Lippen um sein weites Maul und seine messerscharfen Zähne, die in der Dunkelheit bedrohlich glänzen.
Seine Augen sind das ferne Leuchten in der angehenden Dunkelheit und Nacht, zwei türkisblaue Strudel, dessen Licht meilenweit zu erblicken ist.
Verlieren sich deine Augen in diese mysteriösen Lichter, so ziehen sie dich magisch an! Von der Neugier getrieben schreitest du so auf ihn zu, vergisst mehr und mehr die Wirklichkeit und ehe du dich versiehst erkennst du im Halbdunklen der Nacht sein weißes, immer grinsendes Gesicht. Und ist es einmal so weit, ist der Jiggamag nun einmal so nah, dann ist es zu spät. Dann gehörst du zu den verschwundenen im Wald, dann gehörst du zu den verschollenen in der Dunkelheit, denn er wird dich verschlingen, wie so manchen Wanderer vor dir, und alles was von dir bleibt ist ein Teil des Schattens, aus dem er besteht.
Dann hat er dich.

von Daniel Trabitzsch

Dienstag, 4. September 2012

Bella Ciela

Weit in den Lüften schwebest du
Deine Flügel aus Stahl
streifen sanft die weißen Wolken
im weiten Meer des Himmels

Still ist es dort,
still und kalt
und im tiefen Nebel zwischen all dem Blau
ziehst du einsam deine Bahnen

Doch schließlich steigst du auf,
durchbrichst die schwere Decke und ziehst auf ins ewige Blau,
leuchtest auf im Antlitz des Sonnes Schein
Und endlich fühlst du´s auch,

frei zu sein

Von Daniel Trabitzsch

Dienstag, 29. Mai 2012

Verloren...

Tag 12. Vergebens suche ich immernoch nach meiner Phantasie. Letzte Nacht hab ich sie wieder gehört, wie sie in den Wäldern meiner Gedanken traurig schrie. Doch als die Sonne wieder aufging suchte ich vergebens nach jeglicher Spur.
Meine Vorräte nehmen deutlich ab, das Klima wird von Tag zu Tag härter und kälter. Die letzten Tage habe ich meinen Kompass verloren, durch Glück jedoch eine andere Orientierung entdeckt. Das Gepäck erscheint immer schwerer, doch am meisten Sorgen machen mir die dunklen Geister, die hier und dort durch die Gegend ziehen. Ich meide jeden Kontakt mit ihnen, denn sie nehmen einen jede Orientierung und lassen einen versinken in diesen abgestumpften, eintönigen Tälern.


von Daniel Trabitzsch

Montag, 28. Mai 2012

Die Reise zu den Sommerhügeln

Das Rauschen des Rechners erfüllt die Luft. Nur spärlich dringt die tosende Musik gegen dieses Geräusch vor. Gelangweilt sitze ich hier, unschlüssig, was mich mehr stört, schaue mir unnötige Dinge an und vergesse mich und die Zeit dabei.
Entnervt mache ich alles aus, den Computer, den Strom, schließlich auch das Licht. Momente sitze ich im Dunkeln, höre irgendwo auf den Straßen zwei Katzen kämpfen.  Schließlich reibe ich mein Gesicht.
Wie viel Zeit will ich noch hier vergeuden, denke ich mir. Mein Blick wandert aus dem Fenster. Nass und kalt glänzen die Dächer der umliegenden Häuser. Ich fühl mich schwach, ich fühl mich nicht mehr. Mir fehlt etwas. In leeren Gedanken blicke ich über den unordentlichen Schreibtisch, spiele mit einen Würfel im Dunkeln, rühre mit einen Pinsel ein Glas voll Wasser um, in denen sich die Farbe bereits am Grund abgesetzt hatte. 
Die Zeit scheint verschollen, so wenig brauche ich sie noch zu beachten. Frust steckt in mir. Der Frust, ziellos zu sein. und so lebe ich in den Tag, ohne eine Aufgabe, ohne einen Willen, in der Hoffnung, den Tag bald bloß überstanden zu haben. Meistens hänge ich hier, langweile mich, fühle mich krank, doch so lebe ich.

Ich blicke in den Himmel, richte mich auf. Beobachte die Getreidepflanzen, die im Sonnenuntergang Wellen im Wind schlagen, wie sie dunkelbraun sich erstrecken.  Ich werde angesprochen von zwei anderen Personen, vertrauten Personen. Wir besprechen alles, machen uns bereit und steigen in das Flugzeug. Der Flug geht los, bald schon lassen wir alles hinter uns, die Felder, den Flugplatz und schließlich fliegen wir durch die Abendsonne über das Land.
Die Luft ist angenehm warm, der Sommer liegt über den Hügeln. Und während ich durch den Himmel schwimme, erkenne ich: Es liegt an mir.



Ich erwache langsam aus meinen Traum, zurück in meinen Zimmer. Ihn immernoch nachklingend schaue ich auf das Wasser.
Die Farbe hatte sich gelöst, nun war es grün. Grün wie die Hoffnung.
Und nun packe ich meine Jacke, öffne die Türe und gehe hinfort. 


Hinfort zu den Sommerhügeln.


von Daniel Trabitzsch