Donnerstag, 26. März 2015

Das Naum


Es war ein nebeliger Tag. Lena hatte ihren Blick aus dem Klassenfenster gerichtet und beobachtete, wie die Turnhalle am anderem Ende des Schulhofes im dichten Grau verschwand.
Noch immer waren ihre Gedanken verloren, weder mit ihr im Klassenzimmer, noch in der selben Zeit wie sie. Ihre Augenlider wollten sich einfach nur schließen, ihre Augen hatten dieses leichte brennen der Ermüdung. 

Es war die letzte Stunde, der Nachmittag war bereits fortgeschritten. An diesem Herbsttag schien die Welt da draußen selbst zu schlafen. Keine Vögel waren zu sehen und nur ein feiner Wind zog über die Dächer der Häuser.
Es war eine kleine Stadt, wenn nicht sogar ein Dorf. Die ganze Stadt war errichtet worden um den alten Kirchplatz. Soweit Lena es wusste war die Kirche sogar das höchste Gebäude, sei es auch nur um vielleicht zehn oder zwanzig Zentimeter.
Lena selbst wohnte direkt an diesem Platz, wie viele ihrer Mitschüler auch. Es war nicht verwunderlich, denn der Platz war mit Wohnhäusern umstellt, die Schule selbst nur fünf Minuten entfernt.

Frau Elswasser verspätete sich wieder einmal. Das tat sie zur letzten Stunde gerne einmal, schloss meistens kurz den Raum auf und verschwand dann, um sich einen Kaffee zuzubereiten. Die anderen Schüler nutzten dies natürlich aus. Hausaufgaben wurden abgeschrieben, Papierkugeln flogen durch den Raum, es wurde getuschelt und unterhalten.
Lena beteiligte sich nicht. Ihr war nicht nach all diesen Dingen. Zugegeben, sie bekam sie kaum mit, während sie sich innerlich danach sehnte, endlich heim gehen zu können. Dann würde sie sich auf die Couch schmeißen, ein wenig fernsehen und höchst wahrscheinlich bald schlafen.
„Was ist denn mit dir los?“, ertönte eine bekannte Stimme.
Lena schreckte aus ihren Gedanken auf und blickte nach vorne, direkt in die blauen Augen ihrer Freundin Sandra, die sie musterte.
 

Ach, nichts“, tat es Lena ab: „Ich hab nur so gut wie nicht geschlafen“
Sandra kicherte: „Du musstest wohl an Jemand bestimmtes denken“. Dabei nickte sie ihren Kopf seitlich in Richtung von Max, der auf der anderen Seite der Reihe saß.
Lena wurde rot und korrigierte ihre Freundin schnell: „Quatsch! Nein...nein das ist es nicht. Ich hatte nur einen Albtraum und konnte danach nicht mehr einschlafen...“

Der Nebel war irgendwann in den frühen Morgenstunden aufgetaucht und hielt sich seitdem wie ein trüber Schleier über den Straßen.
Ihr Blick wanderte zurück aus dem Fenster, bevor sie fortfuhr:
 

Ich hab geträumt wie ich in meinen Bett lag. Es war alles so komisch. Es war warm und ich lag geborgen unter der Decke. Doch auf der anderen Seite spürte ich dieses Unbehagen und fühlte mich beobachtet, als sei etwas in der Nähe, das dort einfach nicht hingehörte. Es war dunkel, ich sah nur die Umrisse. Aber mein Zimmer sah aus wie sonst auch.“
Lena schluckte kurz. Noch immer stießen diese Bilder in ihr Bewusstsein: „Ich hab mich zur Seite gedreht und blickte aus dem Fenster, als ich am Kirchturm dann diese Gestalt sah. Ich weiß nicht genau wie es aussah, aber es hing direkt an der Fassade und blickte mit stierenden Augen umher, als suche es etwas. Die Augen... sie leuchteten Gelb in der Dunkelheit.
Es war kein Mensch, vielmehr glich es einen gigantischen, nachtschwarzen Vogel. Der Blick des Monsters streifte durch jedes Zimmer. Ich wollte mich unter der Bettdecke verstecken, doch ich hatte keinen Mut, mich zu bewegen. Ich wusste, dass es jedes Fenster überprüfte.
Und dann sah es in meins...und unsere Blicke trafen sich.“
Einen Moment holte Lena Luft, besonnte sich darauf, dass es nicht echt gewesen war:
„Ich hatte solche Angst, es starrte direkt in meine Augen. Ich hatte Angst, auch nur zu blinzeln, denn ich wusste nicht ob es Zufall war das es so lange hinein sah oder ob es mich in der Dunkelheit wirklich sehen konnte. Ich hatte das Gefühl, stundenlang in diese Augen starren zu müssen. Hätte ich eine Sekunde weg geschaut, es hätte mich gejagt. Das spürte ich. Doch dann kam dieser Nebel auf, und irgendwann verlor ich es aus den Augen. Ich wachte darauf auf und konnte nicht wieder einschlafen.“
Lena blickte wieder nach vorne, um mir das Gelächter von Sandra anzuhören. Erst jetzt fiel ihr auf, dass ihre Freundin kreidebleich geworden war und sie mit weit aufgerissenen Augen musterte.
„Was hast du?“, fragte Lena verwundert.

Die Antwort lies Lena erschaudern. An Schlaf war nicht mehr zu denken. Auf einmal verlor der Nebel all seine Tristheit, sondern hatte etwas bedrohliches, das die Sicht nahm. Niemand konnte wissen, was in ihm lauerte.
Sandra antwortete: „Ich hab es auch gesehen“.
von Daniel Trabitzsch

Dienstag, 17. März 2015

Der Gesang der Schimmerberge

Der Gesang der Schimmerberge



Folgt man den einsamen Flüssen in Richtung Norden, bis dass das Eis dem Sommer weicht, und wandert man in diese Richtung, bis selbst die tiefen Flüsse selbst begehbar sind, dann gelangt man an die Schimmerberge. Ihre Gipfel ragen so weit in den Himmel, das die Sonne sie noch immer küsst, selbst wenn der Abend die Nacht begrüßt. Ihre steilen Berghänge schimmern weiß, nur berührt vom Winde selbst.
Ihre Form erscheint wie ein vergessenes Schloss, zerrüttet vom Krieg mit dem Sturm. Denn die Berge, am Fuße wie ihre Brüder im Gebirge, steigen gerade auf, wie alte Türme, dessen Blick weit über die Welt ragt.
Das Klima der Berge ist kalt und rau. Das wenige Leben, das sich dort niedergelassen hat, kämpft jeden Tag um sein bestehen. Selbst die wilden Menschen, die der Natur trotzen und ab und an ihre Städte verlassen, um auf die Jagd zu gehen, meiden die Berge stets.
Denn um die Berge weht ein anderer Wind, älter als das Gebirge selbst. Tief aus den Spalten der Berge scheint er zu kommen, als husche er aus den Schießscharten dieser Türme, erbaut von der Zeit selbst.
Die wenigen, die sich in die Nähe der Berge verirrten, hörten den Wind mit seiner Melodie und spürten, wie das Wehklagen ihres Herzens antwortete. Der ewige Sturm ist nicht die Stimme einer der vier Götter, und dennoch ist sie erfüllt von der Angst und Anmut der Allmächtigkeit.
Keiner vermag auch nur zu erahnen, woher die Winde stammen, die über die Felsen fegen und die Hoffnung eines Jeden verwehen lässt, wie trockenes Laub. Es ist wie die Stimme einer fünften Macht, verborgen in den Tiefen dieser Berge.
Hütet euch vor diesen Orten, sprechen die Waisen in den Städten, denn sie vollziehen nichts als das Chaos und verdrehen die Welt eines Jeden, der ihnen zu lange lauscht.
Bis man schließlich sich verloren hat.
Verloren, im Gesang der Schimmerberge.

von Daniel Trabitzsch

Sonntag, 27. Juli 2014

Bandra des Fernwehs

Weiß sind die Lande hier. Ein unendlich scheinendes Land aus Wolkenweiß.
Geformt von den Winden der Welt erstrecken sie sich von Horizont zu Horizont. 
Gezeichnet von ästhetischen Bergen und tiefen Klüften, gemalt vom Licht und Schatten.
Wie oft man beim Anblick doch vergisst, wie still und ruhig die Welt hier oben ist, 
eine Hülle aus Samt über der sonst so hektischen Erde.
Kein Lebewesen vermag ihnen die Form zu nehmen, ihren Wandel zu verdrehen.

Unterbrochen werden die Lande nur vom fehlen ihrer selbst im Meer des Himmels.
Unter ihnen nur die Tiefe und schließlich die blaue See,auf dessen Oberfläche ihre Schatten ruhen, Nichts weiter als kleine, dunkle Flächen in weiter Ferne.
Über ihnen, da thront das Sein.
 Aus blau wird schwarz und Ewigkeit, so Schleichend wie die Lande selbst.

Kein Fjord der Welt spiegelt ihre Küste, kein Erdland ihre Freiheit.
Zu gern würd ich sie erkunden, und auf Ewig in ihnen wandern.
Und vergessen, wie laut und schnell doch unser Leben ist.

von Daniel Trabitzsch

Dienstag, 6. Mai 2014

Y/N

Want to play again?
Y/N

Dies war das Erste, das Markus las. Ein merkwürdiger Beginn für ein Spiel, dachte er sich.
Markus spielte für sein Leben gerne und kannte viele Geheimtipps und Spielempfehlungen, die sonst nur wenigen bekannt waren.
Schon vieles verrücktes hatte er gesehen, doch niemals würde er etwas dergleichen wieder erleben.
Er genoss es, bei seinen Computerspielen in das Geschehen einzutauchen. Man nannte ihn in der Schule oft verrückt, er sei ein Nerd, ein Computer-Süchtiger. Doch ihm war das schnuppe, sollten doch die Leute glauben was sie wollten.
Entgegen der Vermutungen seiner Klassenkameraden hatte er Freunde, viele sogar, nur keiner von diesen wohnte bei ihm in der Stadt. Viel mehr verteilten sie sich auf dem ganzen Globus. Doch sie alle teilten sein Interesse und das war Markus wichtiger.
Eines Nachts, es war bereits spät, erhielt er schließlich eine Nachricht, die ihn zuerst stutzig machte.
Niemand auf seiner Freundesliste war noch online, Markus versuchte viel mehr die Zeit tot zu schlagen. Doch schließlich blitzte etwas auf.
Four war online gekommen. Four, wer war das noch gleich? Markus konnte sich nicht erinnern, wer das war. Doch angesichts dass man ohne weiteres seinen Namen ändern konnte, wunderte er sich nicht sonderlich.
Four schrieb ihn etwas. Interessiert betrachtete er das blinkende „typing...“ am oberen Chatrand. Sicherlich war ihm genauso langweilig wie ihm.
Er tippte lange.
Dann erschien ein Link.
„Hatte der den nun mit Hand abgeschrieben?“, fragte sich Markus leise und schmunzelte etwas darüber. So etwas kann man doch kopieren.
„Was ist das?“, fragte Markus, doch ehe seine Nachricht ankam war sein Gesprächspartner wieder offline verschwunden.
Er überlegte. Sollte er darauf klicken? Markus kannte die ganzen Virenfallen und ihre Folgen.
Die verlinkte Seite sagte ihm garnichts. Sollte er den Fremden vertrauen? Auf der Anderen Seite stand er auf seiner Freundesliste, und Freunden sollte man doch vertrauen können, oder?
Er durchsuchte noch einmal das Netz, doch keine Suchmaschine wollte ihm eine Antwort geben.
Noch einmal schaute Markus in den Chat.
„Play it“, stand nun unter dem Link. Wann hatte er es geschickt? Eigentlich hätte Markus doch einen Ton gehört haben müssen als die Nachricht ankam, das hatte er doch so eingestellt.
Für Markus wurde es immer suspekter. Immerhin wusste er nun, dass es sich um ein Spiel handelte. Doch was für eins? Noch einmal studierte er den Link, fand aber keine Antwort.
Es war eine dieser Geheimempfehlungen anscheinend, irgendeine Beta-Veröffentlichung, bevor das Spiel richtig veröffentlicht wurde.
Und so übersah er seine Zweifel, während seine Maus auf die Schrift wanderte. Dann klickte er.

Es war ein direkter Downloadlink. Keine Website, keine Antwort auf die Frage, was es sei.
Die Datei hieß „404.exe“. Nur um sicher zu gehen speicherte Markus das Programm in einen Quarantäne-Ordner. Doch auch nach mehreren Scanns schien die Datei keine Viren zu beinhalten.
Die Uhr tickte in seinem Zimmer. Doch davon nahm er nur wenig durch seine dicken Kopfhörer wahr.
Es benötigte keine Installation, vielmehr tauchte es so schlagartig seinen Bildschirm in ein Schwarz, dass Markus erst dachte, sein Rechner sei abgestürzt.
Er probierte sämtliche ihn bekannte Tastenkombinationen aus um
den Computer wiederzubeleben. Doch es kam keine Reaktion.
Da hilft nur noch der Reset, dachte Markus sich, doch ehe er die Taste erreichte erschien schließlich eine verpixelte Schrift, die sich mehr und mehr schärfte.
„Want to play again? Y/N“, stand dort.
Markus lachte. Dieses Spiel musste wohl noch voller Bugs sein.
Er hatte noch kein Spiel gespielt, und dennoch glaubte die Software anscheinend das Gegenteil. Noch dazu diese längst veraltete Menüführung.
Markus drückte Y und enter.
Es sollte nicht weniger merkwürdig werden.
Das Spiel begann in einen Wald. Der Sound und die Grafik schienen wirklich gut und sehr aufwändig. Markus schaute sich um, betrachtete den Himmel durch die Bäume hindurch, wie das Licht diffus durch einen zarten Nebel glitt.
Es war doch sehr dunkel, doch eine Einstellmöglichkeit für den Gamma-Wert fand er nicht. Er fand überhaupt keine Einstellungsmöglichkeiten. „Naja, was solls“, dachte sich Markus und schritt los.
Das Laub knirschte unter seinen Füßen, ab und an trat er auf einen zerbrechenden Ast. Markus war sofort hin und weg, obgleich er noch keinen Sinn verstand.
Irgendwie kam ihn das alles doch sehr bekannt vor. War es eine Karte eines anderen Spieles?
Er war vielleicht 100m gegangen, als im Nebel eine Stimme ertönte.
Sie war weiblich, kratzig und schleierhaft und erklang verzerrt.
Alles was sie sagte war: „Ich sehe dich“
Markus blickte sich um, doch er war alleine.
Die Stimme ertönte erneut: „Ich sehe dich“
Ein Schaudern lief ihm über den Rücken. War die Stimme lauter geworden?
Noch einmal blickte er sich um, schaute auch in den Himmel und versuchte irgendwas zu sehen. Die Stimme hallte in der Ferne, sie schien wohl noch weit genug entfernt.
Es musste eines dieser Horrorgames sein, dachte sich Markus. Er war kein Fan solcher Spiele, doch angesichts der realistischen Grafik wollte er es sich diesmal nicht entgehen lassen.
Markus schritt tiefer in den Wald. Die Baumkronen schwangen im Wind mit. Auf einmal blieb er stehen.
Der Nebel nahm zu. War dies ein gutes Zeichen?
Seine Nackenhaare stellten sich auf. Dennoch schritt er weiter, hinein in den Nebel.
„Ich sehe dich“
Er bildete es sich wirklich nicht ein, die Stimme wurde tatsächlich lauter. Immer wieder schaute er sich um, in der Hoffnung Jemanden oder Irgendetwas zu erkennen. Doch alles was blieb war der Nebel und der Schatten der Bäume.
Er gelang an eine Weggabelung. Welchen Weg sollte er nehmen?
„Ich sehe dich“, hörte er wieder, die Stimme war lauter als je zuvor. Markus konnte nicht verleugnen wie die Panik in ihm aufstieg. Er blickte sich um, und diesmal wurde er fündig.
Am Ende eines der Wege stand etwas...vielmehr schwebte etwas. Es war noch weit entfernt, dennoch konnte er es gut erkennen.
Es handelte sich um eine Frau, komplett in weiß gehüllt. Ihre Haare waren weiß, hatten einen leichten Blaustich und standen zerzaust vom Kopf. Ihre Haut war grau und verblichen.
Sie hatte die Arme weit nach oben verbunden, vertrocknete Blutreste waren immer noch gut zu sehen. Und ihre Augen waren weit aufgerissen, während sie fieberhaft Markus fixierten.
„Ich sehe dich“
Kaum hatte sie das gesagt verschwand sie und tauchte unmittelbar ganze 200 Meter näher auf.
Markus tat das, was jeder gute Gamer in diesen Moment getan hätte. Er lief. Er lief um sein Leben.
Der Nebel wurde dichter und dichter, je näher die Gestalt zu kommen schien. Markus hatte sich für den zweiten Weg entschieden und hastete so schnell er konnte.
„Ich sehe dich“, ertönte es noch einmal. Die Stimme klang nun mehr nach einen Kreischen.
Markus drehte sich nicht um, sein Puls raste.
Vor ihm wurde es heller. Das Licht am Ende eines Tunnels?
„Ich sehe dich“,
Sie oder Es war weiterhin hinter ihm, das musste er sich eingestehen, als er sich umdrehte und die Gestalt nur wenige Meter hinter sich erblickte. Der Schock war so groß gewesen, dass Markus einen kurzen Aufschrei nicht unterdrücken konnte.
Ihre Augen waren gläsern, in ihnen steckte kein Leben mehr.
Schließlich erreichte Markus den Ausgang des Waldes und landete auf einen Gehweg. Noch nahm er etwas Abstand, dann blickte er zurück in den Wald. Er lag still und unschuldig dort.
„Ich sehe dich“, ertönte es wieder.
Es war noch nicht vorbei. Die Gestalt war nicht weit von seiner Position hinter ihm aufgetaucht. Auch sie konnte den Wald wohl verlassen.
Die Flucht setzte sich fort.
Markus gab Fersengeld so schnell er es konnte. Einfach den Weg entlang, dachte er sich, er wird schon irgendwo hinführen.
Sein Puls hatte eine Maximalgrenze erreicht.
Ein warmes Licht schien irgendwo in der Ferne zu sein und schimmerte durch den dichter werdenden Nebel.
„Ich sehe dich“,
Markus hatte keine andere Wahl als zu laufen. Selbst der Asphalt hatte all seine Details bekommen, erklang und hallte bei all seinen Schritten.
Bald hatte er das Licht erreicht. Bald würde er wissen was dort ist.
Aus dem Nebel tauchte ein Haus auf und Markus gefror.
Es war nicht irgendein Haus...es war sein Haus.
Auf einmal hatte dieses Spiel nichts unterhaltsames mehr. Wer hatte dieses Spiel in die Welt gesetzt und warum kannte er sein Haus.
Werd nicht verrückt, redete er sich selbst ein, das kann unmöglich dein Haus sein. Es hat nur große Ähnlichkeiten.
„Ich sehe dich“. Er hatte keine Zeit zu verlieren.
Er versuchte in den Haupteingang, doch die Türe war verschlossen. Als er sich umdrehte stand das Wesen bereits an der Ecke der Straße und hatte ihn weiter mit seinen fanatischen Augen fixiert.
Schnell lief Markus um das Haus und in der Tat, der Keller ging zu öffnen.
Es wurde nur noch Abstruser.
Der Keller, der vor ihm lag, hatte den gleichen Aufbau wie seiner. Einen Moment nahm er Abstand von der Tastatur.
Wollte er dieses Spiel wirklich noch weiter spielen? Er ging zu einen der Lichtschalter. Sie funktionierten.
„Ich sehe dich“
Die Gestalt war im Türrahmen der Kellertüre aufgetaucht. Unter Panik vergaß Markus die Zusammenhänge schnell und rannte weiter. Bloß nicht erwischen lassen, dachte er sich, bloß nicht erwischen lassen. Den Weg kannte er hinaus aus den Keller.
So rannte er den Gang entlang und schließlich die Treppe hinauf. Er versuchte die Kellertreppe zu schließen, doch es ging nicht. So hastete er weiter die Treppen hinauf.
Von der Kreatur fehlte jede Spur. Auch nach einen gewissen Moment ertönte nicht noch einmal ihre Stimme. Markus beruhigte sich kein Stück weit. Weiter suchte er nach einer offenen Türe, doch die meisten waren verschlossen und führten zu einer Sackgasse.
Das Haus war aufgebaut wie sein eigenes. Er konnte es sich das einfach nicht erklären. Es war ein Alptraum.
Markus ging in den dritten Stock. So schritt er den Flur entlang, als er etwas hörte.
„Ich sehe dich“,
Am liebsten hätte Markus den Strom weggenommen. Doch er war längst im Spiel versunken, um an solche Wege zu denken.
Durch einen Spalt im Treppengeländer sah er sie sehen. Sie stand am Fuße der letzten Wendeltreppe.
Markus verlor keine Zeit und suchte nach einer offenen Türe. Er fand eine...und er wusste welche es war.
Er vernahm das Ticken einer Uhr von der anderen Seite der Türe.
Seine Hände wurden so zittrig wie noch nie in seinem Leben.
Er kannte das ticken nur zu gut.
Er kannte das Haus nur zu gut.
Langsam streifte er seine Kopfhörer ab.
Aus seinem Flur ertönte eine weibliche Stimme:
„Ich sehe dich“


Want to play again? Y/N
Von Daniel Trabitzsch

Dienstag, 10. September 2013

MÅNGAIA

MÅNGAIA

Leise rauscht das Wasser unter uns vorbei, der Bug schneidet sich durch die Nacht.
Noch treiben wir vor uns her, noch verhängen Wolken uns die Wacht.
Dunkel ist es, alleine, fern.

Ziellosigkeit wird zum Fluch, die Zeit reißt langsam ab.
Und Träume, Hoffnungen selbst die Angst,
wird nichts, wird schwach, stirbt ab.

Ist da draußen denn nichts, nichts das uns befreit?
Weder Himmel, noch Hölle, nur Ewigkeit?
Doch es bleibt still, ruhig, kalt.

Lange schon sind wir fort, zu weit sind wir gegangen.
Rückkehr gibt es nicht, hinter uns sind nur die Schatten.
Und sie verblassen, verschollen, fallen.

Was haben wir gekämpft, was haben wir riskiert?
Gejagt haben wir den Traum, unser Dasein kritisiert.
Vergossen Schweiß, Blut, und unsere Kraft.

Und schließlich ist es da, das lang ersehnte Zeichen.
Der Horizont lichtet sich, zeigt den Pfad der Alten.
Und auf der Straße des Mondes Schein
Segeln wir gegen die Gezeiten.

Der Wind erhebt sich, wir werden Schneller,
die Reise, lang ersehnt, die Minen werden heller.
Voll Hoffnung, Freude, Emotion.

Erst jetzt beginnt die Reise, zum lang ersehnten Ziel.
Für Freiheit, Glanz und Friede.

Auf MÅNGAIA, dem letzten Weg des Mondes Schein.

von Daniel Trabitzsch

Mittwoch, 22. Mai 2013

Großvaters Haus - Menschen sind wie Uhren

Großvaters Haus

Menschen sind wie Uhren

Das Klingen der Schulglocke hallte durch das Viertel, Kinderrufe wurden laut. Sarah schritt aus der Schule, gemeinsam mit ihren Freundinnen. Es war ein angenehmer Tag, die Sonne schien warm und kühle Winde wehten sanft durch die Luft.
Sarah liebte das Sommerwetter. Gerade verließ sie das Schulgelände als ein Ruf von hinten drang.
„Sarah, nun warte doch mal“.
Sie wand sich um und sah Paul auf sich zulaufen. Er blieb vor ihr stehen und blickte sie freundlich an: „Sag mal hast du Lust dich mit mir zu verabreden? Wir könnten ja schwimmen gehen, oder du kommst mich besuchen oder ich dich“.
Sarah schüttelte nur schnell mit den Kopf: „Ich hab heute keine Zeit“, dann wand sie sich um, lies Paul am Tor zurück und ging auf ihren Großvater zu, der bereits auf sie wartete.
„Na kleine Prinzessin, einen schönen Tag gehabt?“, fragte Großvater und nahm ihr den Ranzen ab.
„Ja, wir haben heute keine Hausaufgaben auf bekommen“, antwortete Sarah.
„Das ist ja schön! Komm, gehen wir“.
Großvater nahm sie an die Hand, dann gingen sie los.

Wenig später saßen sie beim Essen, es gab Spagetti mit Tomatensoße. Wie immer saute sich Sarah dabei im ganzen Gesicht ein. Großvater lächelte dann immer. Nicht umsonst gab er ihr immer ein Tuch beim essen.
Bei solch guten Wetter saßen sie immer auf der Veranda, im Halbschatten der großen Buchen, die verteilt im Garten standen. Mira, Großvaters Hund, lag dabei immer unter dem Tisch, wenn er nicht gerade auf der großen Wiese im großen Garten herumtollte.
„Du Sarah, wer war eigentlich dieser scharmante Junge?“, fragte sie Großvater. Dabei blieben Sarah fast ein paar Nudeln im Halse stecken.
Sie trank schnell einen Schluck: „Das war Paul, der ist in meiner Klasse“.
„So so,“ antwortete ihr Großvater: „Und was wollte er von dir?“
„Nichts“.
„Nichts?“.
„Na er hat mich gefragt ob ich Lust hätte mich mit ihm zu treffen.“
Großvater lächelte, seine kleine Prinzessin durch die Brillengläser beobachtend.
„Und, wann trefft ihr euch?“
„Gar nicht.“
„Na so was, warum bitte nicht? Er sieht doch ganz nett aus.“
„Weil ich ihn nicht mag“.
Da stutzte Großvater: „Und warum nicht? Ist er nicht nett zu dir?“
„Doch schon“, drückte sich Sarah, dann platzte es aus ihr heraus: „Ich mag ihn halt nicht. Er ist pummelig und sein lachen klingt so komisch. Sandra mag ihn auch nicht deswegen.“
Da schüttelte Großvater nur den Kopf. „Komm mit Prinzessin, ich werde dir was zeigen“.
Großvater nahm Sarah an die Hand und ging mit ihr in einen Raum des Hauses. Sarah kannte den Raum zu gut, sie nannte ihn immer das tickende Zimmer.
Schon bevor man die Türe erreichte hörte man das laute Ticken. Denn in diesem Zimmer bewahrte ihr Großvater all seine Uhren auf, die er sein ganzes Leben hat gesammelt.
Große Pendeluhren, Wanduhren in jeglicher Form und Größe, Taschenuhren, Armbanduhren. Schon seit sie denken kann war Sarah davon fasziniert. Als sie noch viel kleiner gewesen war, hatte sie hier immer ihr Mittagsschläfchen gehalten. Die Uhren hatten sie schon immer zum einschlafen gebracht.
„Was willst du mir denn zeigen, Opa?“, fragte Sarah neugierig.
Ihr Großvater kramte in einer Schublade, dann holte er eine alte Taschenuhr hervor. Das sie alt war, war nicht zu übersehen. Das Ziffernblatt hatte hier und da Kratzer. Der dunkle Lack, der einst die Hülle überdeckte, platzte an vielen Stellen ab.
Dann holte er noch eine zweite hervor, es war eine digitale Uhr, die silbrig glänzte.
Großvater zeigte ihr die Uhren: „Was glaubst du, welche von ihnen ist wertvoller?“
Die Frage war zu leicht, dachte Sarah und zeigte auf die alte Taschenuhr: „Die da nicht. Die ist doch Schrott, das sieht man doch!“
Großvater lächelte: „Von Außen mag sie nicht mehr wie neu zu sein, da gebe ich dir Recht. Sie hat in der Tat schon bessere Tage erlebt. Aber was würdest du denken, wenn ich dir sagen würde, dass sie dennoch unglaublich wertvoll ist“.
Sarah schüttelte mit den Kopf: „Du sollst nicht lügen, Opa!“
Großvater drehte die Uhr um, nahm ein Messer und hebelte vorsichtig die Rückseite der Hülle auf. Silbernes Metall lag darunter. Wieder zeigte er sie seiner Prinzessin.
„Na okay, vielleicht ist sie von Innen nicht kaputt, aber schön ist sie dennoch nicht.“, bemerkte Sarah.
Da nahm ihr Großvater noch einmal das Messer und hebelte auch die Rückseite der Uhr auf. Er zeigte sie erneut und Sarah staunte auf.
Im Inneren der Uhr, da blitzte jedes Zahnrad in goldenen, funkelnden Farben. Selbst in den kleinsten Teilen waren Ahornblätter und zweige geschnitzt worden und überall fand man geschnörkelte Teile wieder.
„Und sie funktioniert noch wie am ersten Tag“, sagte ihr Großvater, dann ging er in die Knie, um auf Sarahs Größe zu kommen.
„Schau mal, auch wenn die Uhr von Außen kaputt erscheint, so kommt es nur darauf an, was in ihr steckt.“
Nun nahm er die digitale Uhr hervor: „Hier drinnen ist nichts als Kunststoff und Kleber. Sie ist schon vor langer Zeit stehen geblieben. Diese hier jedoch..“, er zeigte auf die ältere Taschenuhr: „Schlägt unermüdlich weiter, Tag für Tag, Stunde für Stunde, Minute für Minute. Verstehst du, was ich dir sagen möchte?“
Sarah überlegte: „Aber mit der alten Uhr lachen mich doch alle aus.“
„Mag sein, aber dafür bist du mit ihr immer zufrieden und pünktlich. Die Uhr bleibt dir Treu. Was ist dir wichtiger, dass die anderen Kinder deine Uhr bestaunen, oder dass sie funktioniert?“
„Na das sie funktioniert!“.
Sarah betrachtete die Uhr noch einmal: „Eigentlich ist sie sogar voll schön“.
Großvater lächelte: „Na siehst du mal! Und weißt du, genauso ist es mit Menschen“.
Sarah lachte: „Menschen zeigen mir doch nicht die Uhrzeit!“
„Mag sein, aber auch bei ihnen kommt es nicht darauf an, wie sie aussehen. Für sein Aussehen kann niemand was. Es ist viel wichtiger, wie man von Innen ist“. Dabei zwinkerte Großvater ihr zu und Sarah lachte.
„Danke Opa“, sagte sie nur und ging.
„Na wohin willst du denn?“, fragte Großvater.
Ich rufe Paul an, ob er heute Zeit hat“.
Großvater lächelte:
„Wasch erstmal dein Gesicht".

Hab Dank für die Uhr!
Von Daniel Trabitzsch

Freitag, 21. Dezember 2012

Hetze

Marek lief.
Knirschend ertönten seine Schritte auf dem Schnee. Jeder Schritt war mühsam, doch unter all der Angst war er taub geworden gegenüber jeglicher Anstrengung. Hinter einen großen Baum am Rande des Feldes ersuchte er Deckung.
Auf dem Boden hockend versuchte er etwas im halbdunklen wahrzunehmen, doch nichts drang durch das Hämmern seines Herzens und den rasenden Atem.
Er blickte auf seine Hände, an denen immernoch das rot glänzende Blut seiner Freundin klebte.
Irgendwo hinter ihm knackte ein Ast im Unterholz.
Ohne Zeit zu vergeuden sprang Marek auf, jagte in das fast schwarze Gehölz des Waldes, riss seine Haut an den peitschenden Ästen auf, stolperte den Hang hinunter und fiel schließlich auf einen Waldweg.
Nasser Schlamm knallte in sein Gesicht, eisige Kälte durchzog seinen Körper, seine Knie schmerzten bitterlich. Doch er durfte nicht stehen bleiben!
So drückte er sich auf und stampfte so schnell er konnte weiter. Er durfte nicht stehen bleiben... er durfte einfach nicht stehen bleiben!
Warmes Blut lief an seiner Wade hinunter, doch das war nun nichtig, während er orientierungslos tiefer in den Wald humpelte.
Die eisige Luft drückte schmerzhaft in den Lungen, der Schnee schien tiefer und tiefer zu werden, als geräte  er in eine Falle. Marek blickte nicht nach hinten, er wusste, sein Vorsprung war verschwindend gering. Er musste von diesem Grundstück herunter!


Da, endlich, tauchte der alte Metallzaun vor ihm auf. Er hatte es geschafft! Hoffnung stieg in ihm auf. Mit letzter Kraft zog Marek sich hinauf und ließ sich auf der anderen Seite in die nun dünne Schneedecke fallen.
Ein Schmerzensschrei entwich seinen Lippen. Stöhnend zog er sich auf seine gebrochenen Knie, spürte das feine zerbersten der Gelenke. Schwer atmend blickte er zurück in den völlig dunklen Wald, doch dort war nichts als der aufgewühlte Schnee seiner Schritte, keine Bewegung, kein Geräusch, keine anderen Spuren.
Zitternd wand er sich um und erschrak.
Gegenüber der Lichtung, gehüllt in der Dunkelheit der Nacht, blickten zwei Augen auf ihn, starrten direkt in seine Seele.


von Daniel Trabitzsch