Dienstag, 17. März 2015

Der Gesang der Schimmerberge

Der Gesang der Schimmerberge



Folgt man den einsamen Flüssen in Richtung Norden, bis dass das Eis dem Sommer weicht, und wandert man in diese Richtung, bis selbst die tiefen Flüsse selbst begehbar sind, dann gelangt man an die Schimmerberge. Ihre Gipfel ragen so weit in den Himmel, das die Sonne sie noch immer küsst, selbst wenn der Abend die Nacht begrüßt. Ihre steilen Berghänge schimmern weiß, nur berührt vom Winde selbst.
Ihre Form erscheint wie ein vergessenes Schloss, zerrüttet vom Krieg mit dem Sturm. Denn die Berge, am Fuße wie ihre Brüder im Gebirge, steigen gerade auf, wie alte Türme, dessen Blick weit über die Welt ragt.
Das Klima der Berge ist kalt und rau. Das wenige Leben, das sich dort niedergelassen hat, kämpft jeden Tag um sein bestehen. Selbst die wilden Menschen, die der Natur trotzen und ab und an ihre Städte verlassen, um auf die Jagd zu gehen, meiden die Berge stets.
Denn um die Berge weht ein anderer Wind, älter als das Gebirge selbst. Tief aus den Spalten der Berge scheint er zu kommen, als husche er aus den Schießscharten dieser Türme, erbaut von der Zeit selbst.
Die wenigen, die sich in die Nähe der Berge verirrten, hörten den Wind mit seiner Melodie und spürten, wie das Wehklagen ihres Herzens antwortete. Der ewige Sturm ist nicht die Stimme einer der vier Götter, und dennoch ist sie erfüllt von der Angst und Anmut der Allmächtigkeit.
Keiner vermag auch nur zu erahnen, woher die Winde stammen, die über die Felsen fegen und die Hoffnung eines Jeden verwehen lässt, wie trockenes Laub. Es ist wie die Stimme einer fünften Macht, verborgen in den Tiefen dieser Berge.
Hütet euch vor diesen Orten, sprechen die Waisen in den Städten, denn sie vollziehen nichts als das Chaos und verdrehen die Welt eines Jeden, der ihnen zu lange lauscht.
Bis man schließlich sich verloren hat.
Verloren, im Gesang der Schimmerberge.

von Daniel Trabitzsch

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