Kalte, staubige Luft. Im matten Schein einer Glühbirne hab ich ihn betreten. Unter Dachschrägen eingefehrcht liegt er nun vor mir, der Dachboden.
Früher hatte ich mich immer vor ihn gefürchtet, ein Labyrinth aus vergessenen Dingen, unzählige dunkle Ecken fassend, die dunkel wirkten, selbst wenn einmal Licht in sie fiel wie ein verirrtes Tier. Der Dachboden war immer leise, doch nie still. Der Wind schrie in seinen Kammern, ein hohes, klagendes Heulen, das mir immer eine Gänsehaut verschaffen hatte.
Ich weiß noch genau, als ich da serste Mal die spitz zulaufenen Wände aus Dachbalken und Brettern erblickt hatte. Aus einer kleinen, runden, offenen Luke schien fades Tageslicht und zeigte den wolkenbedeckten Himmel.
Matt schimmernde Folien und Planen hatten in die Mitte des langen Raumes geweht wie geisterhafte Fangarme, die nach verlorenen Seelen griffen. Sie hatten sich aufgeblasen und verloren wieder an Volumen wie als würden die Wände atmen, sie leben, angetrieben vom Geist des Windes.
Wie ich mich als kleines Kind fürchtete. Doch war es wirklich Furcht?
In einem offenen Karton fand ich einen Eimer gefüllt mit diversen Sandkastenspielzeug.
Es war ein warmer Sommertag gewesen. Meine Mutter hatte mir damals eine Kappe aufgesetzt, da die Sonne stark gebrannt hatte. Feiner, nassklebriger Sand hatte an meinen Händen und Füßen geklebt und in meiner Kleidung hatten die Körner gehangen, auf der Haut gekratzt. Doch es hatte mich nciht gestört, so tief war ich in meiner Arbit versunken. Nach und nach hatte ich Wasserwege gegraben, Mauern errichtet und Monumente in die Höhe gezogen, hatte Türme erbaut und Brücken gefertigt.
Die Sonne hatte bereits begonnen sich zu senken, als ich fertig geworden war. Stolz hatte ich auf mein Werk geblickt, als wie aus dem Nichts ein oranger Ball wie ein Komet durch die städtischen Mauern schlug. Was übrig geblieben war war ein ungleichmäßiger Sandhaufen, auf dem der Ball trohnte und der nach und nach von den seichten Wellen fortgetragen wurde.
Langsam striff mein Blick den Raum. Er blieb auf einen staubigen Gegenstand haften.
Es war ein Familienalbum, dass auf einen Tisch ruhte. Wer hatte es hier hergebracht? Vorsichtig öffnete ich es, hörte das zarte knistern der Seiten, während sie sich trennten und blickte auf unzählige Bilder, auf Momente, auf eingefrorene Erinnerungen, bereit aufzutauchen.
Ich sah Bilder meines zweiten Geburtstages, wie ich die Kerzen ausgeblasen hatte, sah Urlaubsbilder, wie ich im warmen Sand gespielt hatte, wie mein Tshirt ebensoviel Schokoladeneis besessen hatte wie die Waffel in meinen Händen.
Ich sah BIlder von Weihnachten, an dem mein Onkel zu Besuch gekommen war, Bilder von meiner Familie, während wir an einem Wasserfall standen.
Ich klappe das Buch wieder zu und halte es in meinen Händen mit seinen lernen Einband.
Genug geträumt. Langsam schreite ich hinab ins Leben,
gemeinsam mit meinen Erinnerungen.
von Daniel Trabitzsch
(Korrektur folgt)
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